Neue Impulse für Verbraucher:innen im digitalen Raum
Ob Cookie-Banner, personalisierte Preise oder undurchsichtige Empfehlungen: Im digitalen Alltag begegnen uns ständig Praktiken, die unsere Entscheidungen lenken und unsere Selbstbestimmung einschränken. Was sich oft nur ärgerlich oder verwirrend anfühlt, ist kein Zufall, sondern Ausdruck eines größeren strukturellen Problems.
Digitale Märkte geben sich neutral, effizient und für alle zugänglich, doch wer genauer hinschaut, merkt schnell: Das Netz funktioniert nicht für alle gleich. Diskriminierende Profilbildung, manipulative Interfaces und intransparente Geschäftsmodelle verschieben Verantwortung systematisch auf Nutzer:innen und verstärken bestehende Ungleichheiten.
Mit zwei Publikationen aus dem Forum Digitale Fairness & Verbraucher:innenschutz machen wir genau diese Strukturen sichtbar und setzen ihnen eine klare Botschaft entgegen:
Du bist nicht das Problem. Das System ist es.
Mit einem machtkritischen Blick auf die Herausforderungen des digitalen Verbraucher:innenschutzes zeigen wir, dass Fairness kein Nice-to-have ist, sondern eine Voraussetzung für ein digitales Ökosystem, das alle Menschen gleichwertig sieht und schützt.
Ein Zine für den digitalen Alltag: Don’t blame yourself – claim your rights
Das Mini-Zine „Don’t blame yourself – claim your rights“ richtet sich an alle Menschen, die sich im digitalen Alltag überfordert, manipuliert oder machtlos fühlen. Es erklärt, warum personalisierte Preise, Deceptive Patterns oder „Pay or OK“-Modelle keine Einzelfälle sind, sondern Teil eines Systems, das mit Daten und Ungleichheit arbeitet.
Statt individuelle Verantwortung in einem ungerechten System zu fordern, verschiebt das Zine den Fokus zurück auf Strukturen: Plattformen sind nicht neutral, Design ist politisch, und echte Wahlfreiheit braucht faire Voraussetzungen. Gleichzeitig macht das Zine Mut, die eigenen Rechte ernst zu nehmen: auf Privatsphäre, Transparenz, Datenlöschung und Unterstützung. Digitale Fairness verstehen wir als kollektive Aufgabe, nicht als persönliche Leistung.
Politische Impulse: Das Netz, das wir wollen
Während das Zine beim Alltagserleben ansetzt, richtet sich die Broschüre „Das Netz, das wir wollen – 6 Impulse für ein menschenzentriertes Internet“ an Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft. Sie bündelt zentrale Erkenntnisse aus dem Forum und übersetzt sie in konkrete Handlungsempfehlungen.
Im Zentrum steht ein Perspektivwechsel: Verbraucher:innenschutz im Digitalen darf nicht bei Transparenz und Einwilligung stehen bleiben. Stattdessen braucht es Fairness by Design & Default, ein Ende von Scheinwahlen wie „Pay or OK“, klare Regeln gegen diskriminierende Profilbildung und ein Zusammendenken von Datenschutz, Antidiskriminierungsrecht und Verbraucher:innenschutz. Digitale Fairness verstehen wir hier explizit als Gesellschafts- und Gerechtigkeitsfrage und als Gestaltungsaufgabe für die Politik.
Kontext & Rückblick: Digitale Fairness weiterdenken
Beide Publikationen sind im Rahmen der Veranstaltung „Das Netz, das wir wollen – Digitale Fairness weiterdenken“ Ende letzten Jahres veröffentlicht worden. Die Veranstaltung markierte einen wichtigen Zwischenstand im Projekt Forum Digitale Fairness & Verbraucher:innenschutz und zugleich einen Moment des Innehaltens: Was haben wir gelernt, wo stehen wir, und wie geht es weiter?
Zum Auftakt ordnete Lisa Ama Schrade (SUPERRR) die bisherige Projektarbeit ein und machte anhand eines alltagsnahen Beispiels deutlich, warum digitale Fairness eine strukturelle Frage ist: Gleiche Klicks, gleiche Plattformen, aber unterschiedliche Werbewelten, basierend auf algorithmischen Profilannahmen. Ein Beispiel dafür, wie digitale Systeme Menschen bewerten, sortieren und unterschiedlich behandeln, oft ohne ihr Wissen und ohne echte Wahlmöglichkeiten.
In der anschließenden Keynote zeigte Katharina Mosene (Leibniz-Institut für Medienforschung│Hans-Bredow-Institut sowie das Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft), wie Künstliche Intelligenz bestehende Ungleichheiten und Diskriminierungen nicht nur abbilden, sondern verstärken kann, wenn Fairness, Transparenz und Regulierung nicht von Anfang an mitgedacht werden. Diese Perspektive wurde im Panel weiter vertieft: Gemeinsam mit Dr. Ayten Öksüz (Verbraucherzentrale NRW e.V.) und Pia Sombetzki (AlgorithmWatch), moderiert von Yolanda Rother, ging es darum, wie manipulative Designs, Profilbildung und intransparente Geschäftsmodelle Verantwortung systematisch auf Nutzer:innen abwälzen, und welche politischen Hebel nötig sind, um dem etwas entgegenzusetzen.
Die zentralen Fragen des Abends spiegeln sich direkt in Zine und Broschüre wieder: Wie kann Verbraucher:innenschutz Machtasymmetrien adressieren, statt sie zu individualisieren? Wie schaffen wir digitale Räume, die Menschen schützen, statt sie zu verwerten? Und was braucht es, damit Fairness im Digitalen nicht die Ausnahme bleibt, sondern zum Standard wird?
Jetzt lesen, teilen, weiterdenken: Das Zine „Don’t blame yourself – claim your rights“ und die Broschüre „Das Netz, das wir wollen“ laden dazu ein, digitale Fairness nicht nur zu fordern, sondern strukturell mitzudenken – im Alltag, im Design und in der Politik.
+++
DOWNLOADS:
Zine „Don’t blame yourself – claim your rights“ (zum Durchblättern auf heyzine,.com)
Zine „Don’t blame yourself – claim your rights“ (PDF)
Broschüre „Das Netz, das wir wollen“ (PDF)
+++